Le Cenerentola

Mein zweiter Schultag war wieder gut. Mein Lehrer Michael macht einen sehr abwechslungsreichen Unterricht. Man merkt kaum, wie schnell die vier Stunden am Vormittag vergehen. Allerdings habe ich Dienstag und Donnerstag nachmittags in einer Wahlfachklasse Unterricht und die Lehrerin ist zwar sehr liebenswert, aber methodisch komplett daneben. Sie lässt was erarbeiten, Zeit ist rum und schon gibt’s die nächste Aufgabe. Keine Auswertung dazwischen, keine Rückmeldung, nichts. Glücklicherweise muss ich mir das nur zwei Mal für jeweils zwei Stunden pro Woche antun.

Nach der Schule nutze ich das kleine Zeitfenster zum Telefonieren mit der Heimat. Das ist hier wirklich schwierig. Telefonieren geht nur mit Internet. Das hab ich stabil zu Hause oder in der Schule.

Abends gehe ich zu Bett, wenn es zu Hause gegen halb 8 morgens ist, wenn ich dann aufstehe, wäre zwar Telefonieren möglich, aber ich muss kurz nach 7 aus dem Haus, da bleibt keine Zeit und Ruhe für ein Telefonat. Und während der Schulzeit kann ich das auch vergessen, ich hab nur 10 Minuten Pause am Vormittag und gerade mal eine halbe Stunde Mittagspause. Also ist bei mir mal weitestgehend Telefon-Funkpause in meiner Kanada-Zeit.

Heute Nachmittag fuhr ich dann gleich nach Hause, machte meine Hausaufgaben und zog wieder los ins Vancouver Playhouse. Ich hatte ja das Ticket für die Oper Cinderella von Rossini, auf italienisch La Cenerentola.  

Das Playhouse ist gerade mal knapp über 50 Jahre alt und hat nur 668 Plätze. Dafür ist man schön nah dran und ich sitze wieder im Rang in der Mitte und habe beste Sicht. Für mich war es verblüffend, wie klein der Orchestergraben ist und mit weniger als 20 Musikern haben die richtig was hergemacht mit der instrumentalen Begleitung.

Die Oper war richtig, richtig schön. Wunderschöne Musik, tolle Stimmen und sehr lustig gemacht. Der Prinz hatte zwar nicht unbedingt die Ausstrahlung eines verführerischen Liebhabers, die Stimme war aber grandios und passte gut zur Cinderella.

Ich hatte jedenfalls einen sehr schönen Abend und habe die Oper sehr genossen.

Ich hatte natürlich wieder meinen langen Heimweg. Drei, vier Minuten bis zur Bahn und dann Bahn und Bus. Kurioserweise gabs aber irgendein Problem mit der Bahn und ich fuhr erst mal Schleife. Da ich ja so ca. eine halbe Stunde in der Bahn sitze, vertiefte ich mich als vorbildliche Studentin ins Vokabellernen und hab damit irgendwie einen unplanmäßigen Aus- oder Umstieg nicht mitbekommen. Okay, nach einer Ehrenrunde ging die nächste Bahn dann korrekt wie immer, ich hatte aber dadurch fast eine halbe Stunde mitten in der Nacht verbummelt.

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