Grouse Mountains

Was wird das nur heute mit dem Wetter? Schon morgens war es wolkig und die Sonne konnte mich nicht wecken. Wir wollen doch heute zu den Grouse Mountains. Es ist mein letzter Tag in Vancouver. Damit habe ich auch nur noch diesen einen Nachmittag zur Verfügung.

Aber erst mal Schule. Freitagsüblicher Vokabeltest war echt gut und ich konnte alle Vokabeln dieser Woche. Allerdings waren es nur 24 Stück und es gab nur wenige, die für mich relativ schwierig waren. Die meisten waren logisch.

Kurz vor dem Ende dann die „Graduation“. Mariana und ich bekamen unser Zertifikat, dass wir den pre-advanced Kurs erfolgreich abgeschlossen haben.

Michael hat es richtig feierlich gemacht. Ich hatte zuvor noch eine kleine Schokorunde ausgegeben. Im Dollarama gabs Mini-Mars und -Snickers, das passte gut.

Michele und Izabela hatten dann echt für den Nachmittag abgesagt. Ich hatte es befürchtet. Schade, dass ich nicht doch irgendwann in der Woche schon bei schönem Wetter dort war.

Aber der Himmel riss auf und es kam am Ende viel besseres Wetter, als ich es erwartet hatte.

Die Fahrt dorthin ist mit einem kostenlosen Shuttle möglich. 

Da ich in dem Kleinbus anfangs allein war, kam ich mit dem Busfahrer ins Gespräch. Er kam einst aus dem Iran, lebt aber schon ewig in Kanada. Er war total neugierig, fragte nach Familie, Arbeit und viel mehr. Ich hatte mich dann am meisten amüsiert, als er völlig perplex war, dass ich allein reise und meinen Mann zu Hause lasse. Meine Begründung schien für ihn zwar verständlich zu sein, aber dennoch schien er irritiert.

Um mit der Gondel hoch auf den Berg zu kommen, musste ich erst mal 58 Dollar löhnen. Es ist hier schon echt teuer, wenn man Sightseeing macht.

Zunächst hatte ich mich amüsiert, wie junge Frauen im Cocktailkleid und hochhackigen Pumps auf den Berg wollen. Sie waren jedoch Teil einer Hochzeitsgesellschaft, die oben feierten.

Zu Anfang ging ich ins Sky-Theater. Das war ein Kinosaal und es liefen drei Kurzfilme. Zum einen über die beiden Grizzli-Bären Cooler und Grinder, dann über die Abenteuermöglichkeiten und über Vancouver.

Als ich rauskam, gabs schon wieder dicke Wolken. Ein paar Minuten später wieder Sonne. Das Wetter wechselt hier oben im Minutentakt.

Die Attraktion hier oben sind nun mal die beiden Grizzli-Bären und da wollte ich hin.

Um zu ihrem Habitat zu kommen, hat man Bärenspuren auf den Weg gemalt. Das hat mich sehr amüsiert. Sie waren so gemalt, dass es richtig zum Schlendern einlud und man konnte es auif jeden Fall nicht verfehlen. 😉

 

Unterwegs gabs immer mal riesige Holzstatuen und andere Schnitzarbeiten.

 

Plötzlich hörte ich sie schon brummen. Die Bären waren tatsächlich im Außenbereich und ich konnte sie beobachten. Da sie gerade etwas zu essen bekommen hatten, waren sie ganz nah am Zaun. Der eine Bär war nur etwas mehr als zwei Meter entfernt von mir.

Die haben richtig große Krallen! Wenn die zuschlagen, dann gibt’s keine Chance mehr. Katzenkrallen sind da Spielzeug dagegen.

Ich war lange dort am Gehege. Es war toll, diese Bären zu beobachten. Letztlich sind sie aber nicht so schwer, wie ich immer vermutete. Einer von ihnen wiegt so etwa 78 kg und der andere 61 kg. Als ich nach Whistler gefahren bin, gabs übrigens Sicherheitseinweisung. Dort springt durchaus mal ein Bär rum. Und oberstes Gebot: nicht wegrennen! Bären sind einfach schneller und sehen im Wegrennen eine Gefahr. Sie können bis zu 35 Meilen in der Stunde laufen, das sind etwa 56 km in der Stunde.

Dort oben ist auch ein großes Skilaufareal. Einige Pisten sind sogar richtige Panoramapisten. Ob man allerdings beim Skifahren das so wahrnimmt, das weiß ich nicht so recht.

Der Schnee liegt aber nur noch an schattigen Stellen. Da geht nix mehr mit Skilaufen.

Dort oben hatte ich eine besondere Begegnung. Ein Gruppe Turbanträger waren mit einem sehr alten Mann unterwegs. Dieser übte eine große Faszination auf mich aus. Körperlich war er offensichtlich noch gut fit, geistig sicher auch, aber hatte so eine weise Ausstrahlung. Ich fragte ihn, ob er es erlauben würde, dass ich ihn fotografiere. Er stellte sich dafür dann extra in Positur und glättete seinen beeindruckenden Bart. Danke für diese besondere Erinnerung.

Es gibt hier oben eine ganze Menge Outdoor-Aktivitäten, wie zum Beispiel Heli fliegen, Mountain Disk Golf – was auch immer das konkret ist – Paragliding oder auch Mountain Ziplines in verschiedenen Längen.

Am Ende ging ich nochmal in den Souvenirladen. Dort gabs zwar vor allem Sportsachen, aber auch einen Magneten mit Bärenbild. Ich war zunächst allein im Laden und der Verkäufer fragte mich sofort, ob ich aus Deutschland sei. Woran merkte er das? Er hat so viel mit Deutschen hier zu tun, das hört man. Und: seine Frau ist einst aus Deutschland gekommen. Er kennt die Sprachmelodie. Wir schwatzten ein bisschen, einige Worte kann er auf Deutsch und würde sooo gern auch mal Deutsch sprechen, aber alle sprechen Englisch mit ihm. Sogar in Deutschland antwortet jeder auf seine deutsche Frage auf Englisch. Als ich ihn reden hörte, wie er Bratwurst und Bier aussprach, musste ich schmunzeln und bestätigte ihm, dass ich ihm da auch in Englisch antworten würde. 😉

Ich genoss dann noch die fünfminütige Abfahrt und fuhr zurück in die Stadt. Von der Waterfront bis zum Cambie waren es noch 8 Minuten Weg und ich war fast pünktlich zu unserem Treffen.

Es war ein schöner gemeinsamer Abend. Wir schwatzten viel, mussten aber die laute Musik tüchtig übertönen. Am Ende gingen wir noch durch das schön ausgeleuchtete Gastown und zu den beleuchteten Segeln. Heute Abend waren sie in blau angestrahlt.

 

Die nächtlich beleuchtete Waterfront Station

Es war ein sehr emotionaler Abend und vor allem dann bald auch Abschied insbesondere von Michele. Mit ihr verband mich eine besondere Herzlichkeit. Ich war schon ein Stück traurig, dass die gemeinsame Zeit zu Ende ist.

Gegen Mitternacht war ich dann zu Hause und hatte meine letzte Nacht in Vancouver.

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